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 Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin

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Valyriea
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BeitragThema: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mi Nov 02, 2016 9:50 pm

Die Göttin hatte sie verlassen.
Sie war erstarrt gewesen. Rücksichtslos hatten sich diese unheilvollen Energien in ihren Körper gedrängt, waren ihre Blutbahn durchflossen, hatten sich nicht von ihr kontrollieren lassen wie unfolgsame Kämpfer. Paralyse. Kaum einen unerträglicheren Zustand konnte Shelle Silberpfeil sich vorstellen als gelähmt zu sein, unbeweglich, ausgeliefert. Wenige Minuten waren ihr wie Tage vorgekommen, der wache Verstand raste und hatte doch keinen Ausweg gefunden. Die Säblerin knurrte in naher Entfernung, das Tier spürte gleichermaßen Gefahr und Verantwortung, war hin- und hergerissen gewesen und wurde auf eine noch größere Probe gestellt, als der Magier sich näherte. Ausgerechnet ein Magier. Shelle hatte seine Aura gespürt, zu den unfolgsamen Kämpfern in ihrem Körper gesellten sich weitere Energien, diffuser, weniger bedrohlich und doch der chaotischen Magie dieses unsäglichen Ortes nicht ganz unähnlich. Die Kaldorei fühlte sich heimgesucht von verderblichen Gewalten und doch blieb ihr nichts als abzuwarten und im Geiste ihre Säblerin zu ersuchen, Ruhe zu bewahren. Die Göttin gab ihr die Kraft, das Tier auch ohne Berührung zu beruhigen, und doch, mehr gab sie ihr nicht.

Der Magier schien durchaus versucht, ihr helfen zu wollen, und doch meinte sie, dass die Langsamkeit, mit der er sein Manöver ausführte, alle mal als sittenlos zu bezeichnen sein könnte. Er fand auch noch Zeit für lockere Plaudereien, was seine Ambitionen endgültig ins Dunkel hüllte. Shelle musste ihre ganze Konzentration aufbringen, um trotz der Schmerzen, die ihren Kopf eroberten, die Säblerin im Hintergrund ruhig zu halten, ein altes Tier mit starkem Willen.

Das Schicksal erwies sich als besonders kapriziös in jenem Umstand, dass der Magus die Mondpriesterin schließlich einige Stufen herab und in die Freiheit trug. Sie, eine Führerin ihres Volkes, kriegsgeschmiedet, von vielen als schonungslos und unnahbar wahrgenommen, musste sich von einem Ausgestoßenen tragen lassen wie ein kleines Mädchen. Keine Schlacht konnte sie brechen, doch dieses verwunschene Gebäude in der uralten Heimat vermochte es? Es verstrich keine Sekunde nachdem Shelle spürte, dass ihr Körper wieder bereit war, sich ihrem Willen zu beugen, dass sie sich aus diesem Gefängnis befreite. Ihre Säblerin war bei ihr, nun konnte sie alle Kraft darauf verwenden, die Glieder wieder zu bewegen. Dem Magus vermochte sie endlich, in die Augen zu sehen. Er schien seltsam amüsiert, als die Mondpriesterin darauf bestand, selbst zu reiten.

So saß sie schließlich auf ihrem treuen Tier, die langen, schmalen Finger gruben sich in das Fell, die Knöchel blass vor Anstrengung.  Shelles Körper war noch immer widerspenstig, aber eine grobe Kontrolle reichte, Säblerin und Elfe waren eine Einheit. Der Tempel war weder wirklich nah noch fern, das Ziel schien realistisch. Umso weiter sie das verfallene Gebäude mit den schlanken Marmorsäulen, die Shelle gezwungen gewesen war, anzustarren, hinter sich ließen, desto folgsamer wurde Shelles Gestalt und schließlich hatte sie die Macht über ihren Körper zurückerlangt. Die Lähmung wich jedoch einem tiefen Schmerz, ganz so als, als wären beide Erscheinungen Zwillinge, von denen immer nur einer sein Anlitz zeigte.

Der Mondpriesterin schossen Tränen in die Augen und in einem empörten Akt blinzelte sie diese Botschafter der Pein weg. Vor ihr und ihrem fragwürdigen Begleiter erhoben sich dunkel und stolz die uralten Bäume von Val’Sharah und an einer hölzernen Brücke schließlich konnte Shelle seine Anwesenheit nicht mehr ertragen. Sie bedankte sich manierlich und fühlte auch den Dank, gleichwohl durchfuhr sie eine Woge der Erleichterung, als sie seine Aura nicht mehr spüren musste.

Der Tempel kam näher, die Schmerzen auch. Immer unmittelbarer pulsierten sie in Shelles Leib und schienen beinahe nach ihrem Herzen selbst greifen zu wollen. Die Elfe musste husten, der zierliche Körper in der imposanten Rüstung drohte abermals, das Gleichgewicht zu verlieren. „Nein!“, tönte Shelles klare Stimme durch die mondhelle Nacht. Sie sprach zu sich selbst. Eine Niederlage war nicht akzeptabel. Die Umrisse des Tempels manifestierten sich am Horizont, der Klang nicht ferner Schlachten drang an Shelles Ohr. Sie tilgte alle Ablenkungen, es galt nur das Ziel zu erreichen. Und schließlich war der Tempel erreicht. Eine Schwester, deren Gesicht Shelle schmemenhaft erkannte und das sich auch auf rätselhafte Weise mit deren tatsächlichen Namen verknüpfen ließ, trat ihr mit Sorge entgegen. Eldeh Mondschwinge war in diesem Moment die Erinnerung an eine Zeit, in der Shelle aufrecht stehen, laut sprechen und klar denken konnte. Es galt, diesen Zustand so schnell wie möglich wieder herbeizuführen! Die Mondpriesterin, deren Gang immer forsch und schnell war, als sei sie immerzu in Eile, setzte nun bedächtig Stiefel vor Stiefel auf die Stufen und spürte den verwunderten Blick Eldeh Mondschwinges geradezu in ihrem Nacken.

Das Innere des Tempels tat gut und doch, es linderte die Schmerzen nicht. Shelle sank bald in einen unruhigen Schlaf, aus dem die Schmerzen sie immer wieder rissen. Schließlich entkorkte sie gar entgegen ihrer ursprünglichen Absicht das kleine Fläschchen, das der Magus ihr gegeben hatte, und trank die durchsichtige Flüssigkeit in einem Zug. Und fürwahr, ihr Schlaf wurde ruhiger und fester, doch würden die Bilder, die in jener Nacht in jenem Tempel in Val’Sharah auf Shelles Geist projeziert wurden, sie nie wieder loslassen.
Die Göttin hatte sie gerufen.
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Lamfadas

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   So Nov 06, 2016 1:29 pm

Unter einem seltsam verdrehten Baum sieht man einen Nachtelfen nachdenklich an einem kleinen  Feuer sitzen.
Etwas entfernt, an einem umgefallenen Baumstamm, liegt ein Schattensäbler, der herzhaft gähnend kurz vor dem
Einschlafen zu sein scheint. Betrachtet man den Kal'dorei genauer, fällt die edle Robe auf, die zusammen mit
einem Magier-Kampfstab ein anderes Bild ergeben – dies muss ein Shen'dralar sein.

Ein Lächeln fliegt über sein Gesicht, vielleicht ist es auch nur ein sarkastischer kurzer Moment, dann nimmt er aus
seinem Leinenbeutel ein ledergebundenes Buch, schlägt es auf und legt es dann so neben sich, dass er problemlos
die Seiten lesen kann. Mit einer kurzen Handbewegung erscheint eine Schreibfeder, die mehrmals in ein
imaginäres Tintenfässchen stößt und dann abwartend über der leeren Seite schweben bleibt.

Der Elf blickt derweil in den Sternenhimmel zu Mutter Mond und offenbar in Gedanken beginnt er leise zu erzählen.
Die Nacht ist ansonsten still, nur das Kratzen der Schreibfeder auf dem Pergament und das Knistern des Feuers ist zu hören...

---------------------------------------------------------------------------

Aus den Aufzeichnungen des Lamfadas Sternfall

Die Ruinen auf den verheerten Inseln und insbesondere in Suramar faszinieren mich. Welche Pracht, welche Herrlichkeiten
müssen sie geborgen haben. Stelle ich mir die Orte im Ganzen vor ist Eldre'thalas in seinem früheren Glanze nur ein
seelenloses Abbild selbst der einfachsten Gebäude in dieser Gegend. Und auch Darnassus, das in seiner Eleganz so anders wirkt,
wie dies hier.
Welche Macht... jedoch: sie wurde ausgelöscht.

Zurecht.
Oft genug habe ich mit der Geschichte meiner... Abstammung gehadert. Ich wollte, konnte unsere Geschichte nicht verstehen –
die offensichtliche Arroganz, mit der die Hochgeborenen ihr Dasein in den alten Zeiten fristeten musste unweigerlich in einem
Krieg enden. Es geschieht immer wieder... immer wieder dann, wenn sich etwas für wertvoller hält, als das andere.

Dass uns die durch uns genutzten Machtquellen in den Wahnsinn treiben können, haben wir Shen'dralar erst kürzlich wieder
mit Prinz Tortheldrin erleben dürfen.

Aber ich schweife ab...  

Es ist kein Wunder, dass die Städte auf arkanen Knotenpunkten erbaut wurden. Dies macht die Nutzung von Magie einfacher,
die unbedingt notwendig war, um diese Bauwerke zu fertigen und um all die anderen Wunder zu kreieren, die ich nur aus
Geschichten kenne.

Doch ebenso zerstört wie die Städte selbst hier in Suramar, sind die Knotenpunkte, die eine irre Art chaotischer Energien
ausstrahlen. Jeder arkane Nutzer würde davon mitgerissen und dem Wahnsinn anheim fallen, wenn er sich denn nicht dagegen
schützen könnte. Diese …. armen Kreaturen, die offenbar elfischen Ursprungs sind, leben in diesen Zentren in einer Mischung
aus Sucht und Wahnsinn, das sich auch auf ihr Äußeres auswirkte und sie nur noch zu Schatten ihrer einstigen Existenz machte.

Und inmitten einer dieser Ruinen fand ich sie. Auf einer gepflasterten Terrasse vor einem Prachtbau, der sicherlich einst das
Zentrum dieses Ortes war... und somit auch der Knotenpunkt.
Die chaotische Energie konzentrierte sich auf den inneren Bereich des Gebäudes, selbst ich hätte es nicht ohne Vorbereitung gewagt in
das Zentrum einzudringen... aber wie sollte es eine Priesterin der Elune wissen? Nun, sie hätte es spüren MÜSSEN! Dass sie
dennoch eindrang lässt nur drei Schlüsse zu:  

- Das was sie zu finden gedachte ist zu wertvoll, als das sie hätte warten können
- Sie hatte keine Ahnung
- Sie ist hineingestolpert, bei dem Versuch sich zu verteidigen

Sie war körperlich so gut wie unversehrt, lag nur seltsam verdreht und apathisch auf dem Pflaster, was sicherlich der Strahlung
zuzuschreiben war. Nur ihren Bogen hielt sie krampfhaft in ihren verdrehten Armen.  
Ich musste mich sammeln und ein Feld erzeugen, ehe ich mich ihr nähern konnte. Sollte ich ihr helfen? Würde sie sich denn von mir
überhaupt helfen lassen? Die uns zugeschriebene Arroganz traf ich öfters bei den Nachtelfen, als bei uns.
Der teils offene Hass uns gegenüber, ließ mich vorsichtig im Umgang mit ihnen werden. Aber schließlich war sie eine Kal'dorei... und kein Orc...
Ich zuckte also mit den Schultern und näherte mich. Sie war wach, das war gut und den Augen nach bei klarem Verstand.  

Ich sagte einige belanglose Worte, vielleicht um sie zu beruhigen, oder auch um MICH zu beruhigen, denn mit einer
offensichtlichen Priesterin der Elune bin ich bisher nur entfernt zusammengetroffen.
Sie musste raus aus dem Energiefeld. Ich erweiterte also mein Schutzfeld, hob die Priesterin an und trug sie einfach die Treppen
hinunter. Trotz der Rüstung war sie seltsam leicht. Ich habe es nicht gewagt einen weiteren Zauber zu wirken, zu stark war das arkane
Chaos.

Es dauerte nicht lange und sie kam zu Bewusstsein und nur wenig später näherte sich eine Säblerin und setzte sich neben mich,
so nah, dass ich den Atem des Tieres riechen konnte!
Das erste Wort der Priesterin, war nicht etwa ein Dank... sie sagte lediglich "Eis". Vielleicht um sich zu kühlen, oder um es sich
auf ihre Stirn zu legen... ich legte also meine Hände zusammen und erschuf ihr ein wenig "Eis", was sie aber seltsamerweise
dann verneinte und auf ihre Säblerin deutete.  

Meine Wangen wurden dunkel und ich säuberte meine Hände. Warum, beim Ley, können Kal'dorei ihren Tieren nicht anständige
Namen geben?


Aber.... ich beiße mich an dieser peinlichen Situation fest..., das ist nicht das Ansinnen dieser Schriften!
Nun... dennoch lasse ich diesen Teil stehen, er soll mich daran erinnern nicht alles so wörtlich zu nehmen.  

Trotz der starken Belastung aus den Ruinen und ihres körperlichen Zustandes wollte sie zum Tempel reiten. Ich bot ihr mein
Geleit an. Sie nahm es offenbar dankbar an, nur um mich dann, einige Meter weiter, fortzuschicken. Ich bot ihr einen einfachen
Trank, der es sie zumindest zum Tempel der Elune schaffen lassen sollte – wenn ihr sonst auf dem Weg nichts zustößt.  
So erfuhr ich wenigstens ihren Namen und zumindest einen Hinweis auf ihren Besuch der Ruine:  Sie suchte etwas... ah ja...  

Ich ließ sie also davonreiten. Etwas länger blickte ich hier nach, wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass sie nicht von ihrem Tier
gleitet... dann wendete ich meinen Schattensäbler und ritt langsam in die entgegengesetzte Richtung, tiefer hinein nach Suramar.

Nun gut.... ich kann heute wenigstens behaupten: ICH, Lamfadas Sternfall, ein Shen'dralar aus Feralas, habe eine Mondpriesterin kennengelernt!

Möge der künftige Leser ob dieser Tat ausreichend beeindruckt sein.


-------------------------------------------------------------------------------------

Der Elf lacht kurz auf, bei den letzten Worten, sieht grinsend auf die geschriebenen Seiten, klappt dann das Buch zu und lässt es
wieder in seinen Leinenbeutel verschwinden, ebenso wie die Schreibfeder. Dann lehnt er sich zurück und verschränkt die Arme
hinter seinem Kopf.
Er ist gespannt darauf, ob er noch einmal von ihr hören wird.
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mo Nov 07, 2016 7:33 pm

Die Stunde des Gleichgewichts

PROLOG

Wer dieser Tage in Darnassus unterwegs war, der konnte einer Kaldorei begegnen, die missmutig aus dem Hauptquartier der Schildwachen oder dem Tempel stapfte. Man konnte förmlich die geballte Faust in der Tasche sehen.

Veradis war wütend.. ausgesprochen wütend ! So viel verschwendete Zeit, während die Legion auf dem Vormarsch war.

Da hatte sie sich endlich entschlossen nicht mehr nur für den Gewinn Artefakte zu suchen und stattdessen für eine Ration Feldverpflegung in den Kampf zu ziehen und was geschah ?

Man ließ sie warten und vertröstete sie von Tag zu Tag:

„Elune wird Euch den richtigen Weg zum richtigen Zeitpunkt weisen.“
„Schwester, geduldet Euch… wir warten auf Befehle aus Val`Sharah.“

Gedulden.. pfffff. Die Legion geduldete sich auch nicht!

Die Druidin war kurz davor, auf die Streitkräfte der Kaldorei zu pfeifen und alleine über den Traumpfad nach Val`Sharah zu reisen. Sie war immer alleine zurecht gekommen  und würde ihren eigenen Weg finden, der Legion in den Hintern zu treten.. wenn Dämonen denn einen hatten.

Wenn…. ja.. wenn da nicht dieses Gefühl wäre !

Schon Wochen bevor der Einfall der Legion begann, spürte sie, dass das Gleichgewicht sich verschob. Und es wurde immer stärker dieses Gefühl.. bis die Legion da war…mit all ihrem Schrecken und ihrer ganzen Macht.

Aber jetzt…. war da noch etwas. Die Waagschale des Gleichgewichts neigte sich wieder in die andere Richtung.. .diesmal unmerklich.. aber nicht zu ignorieren. Es war nicht wie der Sturm, den die Legion angefacht hatte - eher wie ein leiser Wind, der Kühlung bringt und angenehm auf der Haut zu spüren ist.

Veradis war sich sicher, dass etwas Wichtiges geschehen und das es hier in Darnassus seinen Anfang nehmen würde.

Und deshalb würde sie warten.. auch wenn es ihr unendlich schwer fiel.


Zuletzt von Veradis Abendhauch am Di Nov 15, 2016 1:46 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Arahwen

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Nov 08, 2016 1:43 pm

Arahwen

Die Schritte der Priesterin waren schwer. Müdigkeit war es, die ihren Blick dominierte. Heute am Tage erst war ihr sonst so traumloser Schlaf durchbrochen. Bilder von vergangenen Ereignissen, die sie sonst immer aus ihrem Gedächtnis bannte. Schreie, vor denen sie sonst immer die Ohren verschloss, nicht gewillt, sich daran zu erinnern. Und nun steht sie hier. Wieder der gleiche Feind. Nur die Bedingungen waren diesmal andere. Wiederholte sich Geschichte tatsächlich immer und immer wieder? Leid. Sie war es leid. Die Kriege, die Toten, das Wissen, dass sie es war, die bisher immerzu überlebte, während die Jungen für nichts und wieder nichts ihr Leben ließen.

Die Eule auf ihrer Schulter schien die Unruhe der Kaldorei zu spüren und zwickte ihr in eines der langen Ohren. Ein äußerst stoisches Exemplar war es, dazu äußerst kurz geraten und die fedrigen, buschigen Augenbrauen geben dem Tier ein recht ulkiges Aussehen. Sie ringte sich zu einem Lächeln durch, eine Hand erhoben und auf den Kopf des Tieres gelegt. Ihr Blick fokussierte sich wieder, weg vom Nebel, den sie als ihre Erinnerungen bezeichnete. Die Tempelanlage Val'sharahs war trotz der ehemaligen Angriffe im guten Zustand, und die Präsenz Ihrer Göttin war hier weiterhin allgegenwärtig. Würde nicht der Alptraum seine widerwärtigen Ranken nach diesem Heiligtum ausstrecken, und diese verdammten Verräter nicht in den Schatten lauern, so wäre dies gewiss ein Ort des Friedens.

Arahwen trat an den Rand des Geländes, verborgen vor dem Trubel auf ihm und ebenso vor den Kaldorei. Sie wünschte Ruhe. Der Blick hinaus in die tiefen Wälder Val'sharahs. Sie gehörte zwar nicht zu den Druiden, und insgeheim verfluchte sie den Tag, an dem der Zirkel potentielle Novizinnen abwarb, während die Männer im Tempel rar gesät waren, doch spürte sie, dass die Wälder um Hilfe flehten. Es war nur der Bruchteil einer Sekunde, als sie in der Nähe eines Baumes eine Bewegung wahrnahm. Der Blick schnellte dem Schatten nach, blieb am Baum hängen. Die Priesterin verengte die Augen.
"Zeigt Euch, oder fleht um Ihre Gnade!", durchbrach ihre sonst sanfte Stimme harsch die plötzliche Stille, die sich um sie gelegt hatte. Die Gestalt tat, wie ihr befohlen wurde und trat aus dem Schatten der Bäume.

Die Priesterin erstarrt. Sie sah sich, ein Spiegelbild, teuflisch verzerrt. Hörner ragten aus ihren weißen Locken, in den Augenhöhlen loderte grüne Flammen. Fänge traten unter geschlossenen Lippen hervor und die blasse Haut hat einen blauen Ton angenommen, verursacht durch Schuppen, die sich darüber ziehen. Ihre Hände, geschlossen um teuflisch geschmiedete Gleven, waren deformiert, verformt zu monströsen Klauen.
Und da begriff sie. Arahwens Hände legten sich um ihren Mund, dieser zu einem stummen Schrei geformt. Die Augen der Priesterin waren geweitet. Und plötzlich rinnten Tränen herab. Silberne Tränen, ohne Halt. Sie erkannte, sie erinnerte sich. Sie verlor ihre Fassung, das zweite Mal in bald zwanzig Jahren.

Ihr Ebenbild schien nicht minder entsetzt, vermutlich das erste Mal, dass Arahwen eine Dämonenjägerin so sah. Und ehe sie sich versah, wirbelte ihr verformtes Ebenbild herum, verschwand in den Wäldern. Die Stille brach, nicht etwa durch das Einsetzen von Vogelgezwitscher. Sie schrie, schrie in den Wald, sie sank auf die Knie. Ihre Stimme brach, der Blick durch Tränen verschwommen hoch zu Mutter Mond gerichtet. "Warum..?", flüsterte sie. "Warum sie..?"
Doch Mutter Mond lächelte nur herab. Ein trauriges Lächeln, war es, wie die Priesterin erkannte, und fast schien es so, als spürte sie eine tröstende Umarmung, während sie im Licht des Mondes weiterhin auf dem Boden gesunken verblieb.
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Valyriea
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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mo Nov 14, 2016 5:24 pm

Shelle drehte und wendete das brüchige Pergament in ihren Händen. Es schien magisch verstärkt zu sein und doch nicht mehr ewig den Angriffen durch die Zeit standhalten zu können. Eine Schreiberin sollte sich dieser Sache annehmen, doch das hatte jetzt nicht oberste Priorität. Zudem waren die Möglichkeiten hier in Val’Sharah eingeschränkt – ja, in jeglicher Hinsicht, doch das würde sich bald ändern!
Die Mondpriesterin erhob sich von der steinernen Bank und schritt gen Ausgang, der Klang der Kampfstiefel auf dem unnachgiebigen Boden hallte in dem hohen Raum nach. Draußen war die Luft kalt und kein Stern am Nachthimmel zu sehen, fast schien die Göttin mitsamt ihrem Gefolge sich hinter undurchdringlichen Wolken zu verstecken. Ein schmales Schmunzeln schlich sich auf Shelles blasse Lippen, ein seltener Anblick, der auch heute keinem anderen Kaldorei zuteil wurde, einzig die kleine Eule, der Shelle ihre Nachrichten anzuvertrauen pflegte, war zugegen und ihre Flügel schwungen und brachten die kühle Luft zum Schwirren. Shelle fühlte sich eigenartig beseelt in diesem Moment, ja beinahe heiter. Die Geschehnisse der letzten Tage, die Begegnung mit dem Magus, der Traum, die Gespräche mit den Schwestern, das Wiedersehen der Tochter, die verletzte Dämonenjägerin und nicht zuletzt die gefundene Pergamentsammlung – all diese Ereignisse fedelten sich wie Perlen auf eine Kette und es war Zeit, daraus Konsequenzen zu ziehen. Möge nur die Späherin bald zurückkehren und die dringend benötigte Verstärkung eintreffen! Und auch der Magus – es ließ sich nicht vermeiden, sie musste ihn wiedertreffen.
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Nov 15, 2016 1:55 pm

DIE REISE

Mit brummendem Schädel wachte Veradis auf und hielt sich sofort an einem Holzbalken fest !

Bei Elune….warum nur hatte sie nach dem Wein aus dem Eschental auch noch dieses vermaledeite Zwergenmet trinken müssen ?
Alles drehte sich und immer wieder klopfte es in ihrem Schädel.

Es dauerte eine geraume Weile, bis die Kaldorei merkte, dass das Klopfen nicht aus ihren Kopf, sondern von draußen kam.
Es war die Bordwand, die durch die Wellen das Schiff immer wieder an den Steg krachen ließ.

Noch etwas wacklig auf den Beinen, streckte sie den Kopf durch die Tür und sah sich einer Matrosin gegenüber, die nur breit grinste.

Und dann kam die Erinnerung an die letzten Ereignisse:

Vor zwei Tagen war ein Brief angekommen mit der knappen Mitteilung, dass eine Priesterin namens Shelle Silberpfeil sie anfordere.
Hmm.. irgenwie kam ihr der Name bekannt vor.  Aber egal… Hauptsache hier weg.

Nachdem sie sich erkundigt hatte,wann von Darnassus aus ein Schiff nach Val`Sharah auslief, packte sie alles zusammen, was man so brauchen konnte:  

Spaten, Kletterseile,Gnomenstirnlampen für dunkle Höhlen, Haken, Ösen und diverse Hämmer, Sonden und Dietriche für widerspenstige Türen in alten Grabstätten.
Nach kurzem Überlegen kam ganz unten in eine der Satteltasche ein Dutzend Gnomensprengstoffkapseln. Man wusste ja nie, was einen so erwartete.

Rasha war schon ganz unruhig. Die große Reitwölfin schien zu ahnen, dass es endlich wieder auf eine Reise ging.

Und da standen sie nun und warteten auf das Schiff, als sich eine Schildwache auf einem Hippogryphen näherte.
Moment.. die kannte sie doch ! War das nicht Llashaya Schattenblatt ?

Veradis staunte nicht schlecht !
In tadellos polierter Rüstung mit Schild und Schwert und diversen Gepäckstücken schien auch Llashaya auf das Schiff zu wollen.
Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung stellte sich heraus, dass sie beide das gleiche Ziel hatten:
den Mondtempel von Val `Sharah und Shelle Silberpfeil !

Die Kriegerin schien reichlich nervös zu sein und dann wurde auch klar, warum :

Diese Mondpriesterin, die auf sie wartete, schien eine Art Legende und für Llashaya direkt hinter Tyrande Whisperwind zu kommen
oder mit Elune verwandt zu sein … auf jeden Fall in den Augen der Kriegerin jemand, dessen Erwartungen man wohl kaum erfüllen konnte
und es sich bei dem Ganzen sicher um ein Versehen handelte. Jedenfalls hatte Veradis so den Eindruck -  das konnte ja heiter werden und hatte ihr gerade noch gefehlt !

Als sie dann ihre Siebensachen auf dem Schiff verstaut hatten – Llashaya polierte völlig überflüssigerweise nochmal ihre Beinschienen und Stiefel –
machten sie es sich auf dem Oberdeck bequem.

Die Seeluft war erfrischend, aber auch ein wenig trocken. Gut, dass in einer der Satteltaschen noch Wein aus dem Eschental war !
Der Abend und die Nacht waren bei Gespräch und Gelächter wie im Fluge vergangen… nur die Weinschläuche leerten sich irgendwie ziemlich schnell.

Veradis konnte sich nur noch schemenhaft daran erinnern, dass ihnen jemand von der Besatzung ein Faß Zwergenmet verkauft hatte.

Bei Elune… das hätten sie lassen sollen !

Noch leicht betäubt von dem nicht gerade erholsamen Schlaf stieg die Kaldorei hinauf aus Oberdeck und sah vor sich die Küste von Val`Sharah.

Sie waren angekommen und ein Blick in Llashayas müdes Gesicht, dass sie schnell mit dem Plattenhelm bedeckte,
zeigte, dass die letzte Nacht auch an ihr nicht spurlos vorübergegangen war.

Und so machten sich die Beiden auf den Weg in Richtung Tempel, Dämonen und einer Mondpriesterin, der ihr Ruf vorauseilte.
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Lamfadas

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Nov 15, 2016 3:42 pm

Aaahhhhh... er hasst diese verdammten Wesen! Harpyien!

Das Fauchen seines Schattensäblers hatte ihn geweckt und nur kurz darauf stand der Elf mit seinem Stab
in Kampfstellung und versuchte zu verstehen, was hier gerade passierte.
Unüblicherweise haben sich diese Viehcher zuerst auf seine Vorräte gestürzt, bevor sie sich an den
Säbler herangetraut haben. Noch etwas schläfrig stieß er den Stab in den Boden und griff auf den ersten
Zauber, der ihm in den Sinn kam:

Feuer. Ausgerechnet...

Während die Harpyien sich mit dem Säbler beschäftigten hatte er genug Zeit sich zu konzentrieren.
Die anfangs geflüsterten Worte wurden im Zuge der Hervorrufung lauter, die Konzentration steigerte sich und
manifestierte sich in Form von kleinen Schweißperlen auf seiner Stirn, während eine zuerst nur kleine Flamme immer größer,
heißer und aggressiver den Stab regelrecht nach oben kroch, um von der Spitze in Form einer Nova quasi zu explodieren
und sich als Welle in der ungefähren Flughöhe der Harpyien ausbreitete, nur um dann nach einigen Metern mit einem Zischen
zu verschwinden.

Der Elf sank auf seine Knie, brauchte einen Moment, um sich zu sammeln und nahm den Geruch von verbrannten Federn,
Fleisch und Haaren wahr. Der Säbler hatte sich auf den Boden gedrückt und kroch dann hinüber zu dem Elf, der immer noch
auf dem Boden kauerte und sich mit seiner linken Hand an seinen Stab klammerte.

"Feuer... natürlich..." zischte er. Das Fleisch seiner Hand hatte sich durch die aufwallende Hitze regelrecht in den Stab
hinein gefressen. Mit einem Ruck riss er sie von dem Stab, nur um im nächsten Moment laut aufzuschreien -
der Schattensäbler zuckte kurz zusammen.

"Warum nur Feuer..." fauchte der Elf wieder kurz und liess etwas Eis in seiner Hand erscheinen.
Dann nahm er eine Phiole aus seinem Leinenbeutel und leerte sie in einem Zug - das sollte reichen um den
Schmerz solange zu unterdrücken, bis er jemanden finden würde, der seine Hand heilen könnte... eine Priesterin sollte ja
wohl dazu in der Lage sein! Lamfadas umwickelte die Hand mit einer Leinenbinde, durchsuchte
seine Sachen, ob außer Nahrung etwas von Wert verlorenging und stieg dann auf seinen Säbler.
"Dir geht es gut, hm?" Der Elf strich ihm über die Ohren, während sie sich langsam in Bewegung setzten.

Müde zog er den knappen Brief dieser Priesterin aus seinem Leinenbeutel. Das sah ihr ähnlich. Befehlsgewohnt und kalt, ohne
Angabe eines Grundes. Wieso er sich dennoch auf den Weg zum Tempel machte, hätte er nicht wirklich begründen können.
Ob es neben seiner verbrannten Hand immer noch der Wunsch nach Akzeptanz war, die ihn trieb?
Möglich.

Die Hand begann zu pochen und mit einem Blick auf den provisorischen Verband redete sich Lamfadas ein, dass es ihm im
Tempel nur um Heilung ging.


Zuletzt von Lamfadas am Mi Nov 16, 2016 12:40 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Nov 15, 2016 7:03 pm

DIE ANKUNFT

Spät am Abend in den Tempelgärten

Eine große Katze lag im Gras unter den Bäumen und sah zum Mond hinauf.

Die Druidin seufzte müde und dachte zurück an die Ankunft am späten Nachmittag im Tempel der Elune.
Als sie zusammen mit Llashaya angekommen war, wurden sie schon von einer Mondpriesterin erwartet. Und natürlich war es diese Shelle Silberpfeil gewesen.
Hmm.. was sollte man nur von dieser Kaldorei halten ?

Die Schnurrhaare der Katze vibrierten amüsiert.

Llashayas Rücken tat vom Strammstehen bestimmt immer noch weh!

Aber irgendwie hatte ihr die Priesterin auch gefallen. Sie wusste, was sie wollte
und drückte dies klar und unmissverständlich aus und sie hatte klar und deutlich gesagt, dass sie erst über den Auftrag sprechen würde, wenn sie einen Bericht hatte. Ja.. das konnte man respektieren!

Die Katze senkte den Kopf und legte ihn auf ihre Vorderpfoten.

Besonders hatte ihr gefallen, dass sie gerufen worden war, um das zu tun, was sie am liebsten tat:
Suchen und Dinge finden!

Und dabei fiel es bestimmt nicht auf, wenn man das ein oder andere auch fand,
was nicht gesucht wurde  und zu Gold machte. Von dem bisschen Sold konnte ja keiner leben!

Wieder schweiften ihre Gedanken zur Mondpriesterin. Hmm… dieser Blick und dann dieser merkwürdige Satz, sie habe einiges gehört und bei Gelegenheit könne man darüber sprechen.

Ach was solls.... was konnte sie schon gehört haben ?

Die Katze sah noch einmal zum Nachthimmel hinauf und schickte dann ihre Sinne hinaus in die geschundene Natur.

Da war es wieder.. dieses Gefühl ! Das Gleichgewicht verschob sich….. unmerklich !
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Ayalishar Mondflug

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BeitragThema: Neue Befehle und neue Gefährten   Di Nov 15, 2016 10:13 pm

Neue Befehle und Gefährten Teil I

Llashaya drehte die Flamme der kleinen Öllampe auf ihrem Tisch ein wneig größer und tunkte nachdenklich die Feder in ein schlichtes Tintenfass. Schon beinahe ein ganzer Mondlauf Fronturlaub war ihr nun vergönnt gewesen. Ein paar Patrouliengänge in Darnassus waren ihre einzigen Pflichten zur Zeit und die Erholung tat mehr als gut. Doch auch die Heimatwälder im Eschental zu sehen war eine große Freude gewesen. Jetzt jedoch, war ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Nicht nur, das eine Wächterin sie rekrutiert hatte und ein Schreiben aufsetzen wollte um sie in den Dienst dieser Einheit zu versetzen, nein, kurz darauf war auch noch eine Eule gekommen mit neuen Befehlen. Eine Versetzung zwar, doch ganz und gar nicht die Erwartete. Eine Mondpriesterin namens Shelle Silberpfeil hatte sie angefordert, direkt nach Val'Shara an den Tempel. Eine Ehre, eine quasi Beförderung möglicherweise, doch irgendwie...
Die Feder begann langsam über das Pergament zu kratzen und in sauberen, aber schlichten Lettern wurden die aktuellen Ereignisse zusammengefasst. Neben ihr in der Ecke stand schond er Rucksack mit ihrer Ausrüstung. Handwerkszeug zum Ausbessern und Pflegen und wer wusste schon, ob in der neuen Einheit nicht auch eine Schmiedin gebraucht wurde. Waffen, unterschiedlicher machart waren daneben aufgereiht und ihr Schild fertig draussen dran geschnallt. Die Rüstung lag bereit auf dem Ständer und war , für ihre Verhältnisse, beinahe auf Hochglanz poliert. Morgen würde ein langer Tag werden. Sie legte ein Löschblatt auf die aktuelle Seite und klappte das Buch zu um es dann im Rucksack zu verstauen.

Zwei Tage Später:

[...] Scheinbar ist Veradis eine sehr umgängliche neue Kampfgefährtin. Nachdem ich erst einmal zuvor das Vergnügen hatte sie in Darnassus zu treffen und mir einige Geschichten über sie anhören konnte, war ich sehr überrascht sie im Hafen zu treffen und mit ihr das selbe Ziel zu haben. Wir haben Geschichten ausgetauscht und diesen Wein aus dem Eschental getrunken. Im Nachhinein nicht die klügste Idee des Abends, zumindest nicht, als noch ein Fass Zwergenmet ins Spiel kam. Woher eigentlich ?!

Llasha griff sich an den Kopf. Die Kopfschmerzen waren immernoch beinaher plastisch, wenn sie länger an den Morgen dachte. Sie hatte es sich auf ihrer Lagerstätte gemütlich gemacht und die Ausrüstung fein säuberlich vor dem Bett verstaut. Dann hatte sie ihre Öllampe und das Schreibzeug hervor geholt und direkt nach dem letzten Eintrag wieder angesetzt.

Ich denke diese Druidin hat ein leichtes Problem mit Authoritäten, aber ich vermute das sie im direkten Feldeinsatz sehr Verlässlich sein wird. Abgesehen davon Teilen wir die Heimat. Sie scheint gerne zu lachen und zu trinken, wie ich ja schon ausgeführt haben. Sie trägt ausserdem alles mögliche an interessantem Zeug mit sich herum. Ausgrabungsausrüstung und sowas. Vielleicht sollte ich ihr mal meine Sammlung Gnomischer Feinwerkzeuge zeigen. Jedenfalls scheint sie keine Technologiefeindin zu sein. Ich bin mir sicher, ein oder zwei Kopflampen gesehen zu haben. Vielleicht wird dies sogar meine erste Freundin in der neuen Truppe. Sowas ist wichtig um den Krieg wenigstens gelegentlich aussperren zu können.

Sie tunkte die Feder nachdenklich ins Tintenfass und starrte einen Moment geistesabwesend auf die Gegenüberliegende Wand.

Neue Kommandantin *unterstrichen* - Priesterin Silberpfeil erfüllt meine Erwartungen. Sie wirkt streng und Diszipliniert, aber wie eine Verantwortungsvolle Führungspersönlichkeit. Hat die übliche Aura der Unnahbarkeit , die den meisten höheren Rängen gemein ist. Trotzdem bin ich gespannt sie im Einsatz zu erleben. Informationen gab es noch keine groß und ich denke, ich habe mir keine all zu großen Patzer geleistet , trotz meiner Nervösität. Es war schwer ernst zu bleiben bei der ganzen Begrüßung, dank Veradis Einstellung der ganzen Sache gegenüber. Ich sehe schon kommen, dass ich Latrinendiesnt machen werde, weil ich zu undiszipliniert rede oder wir zu viel lästern.

Dieser Absatz wurde mit einem Grinsen kommentiert. Eine kleine Schreibpause folgte, wärend Llashaya sich streckte und gegen die Wand hinter sich lehnte. Dieser Tempel war Atemberaubend für sie gewesen. Sie hatte schon vor einigen Stunden, ziemlich direkt nach der Ankaunft einen längeren Rundgang gemacht und sich alles angesehen. Gleich nachdem sie diese Magierin getroffen hatte. Eine Arkanistin. Sie machte sich kurz ein paar Notizen zu dieser. Hatte sie ausgefragt über alles mögliche, schien aber im Wesentlichen recht umgänglich gewesen zu sein.

...
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Sa Nov 19, 2016 11:22 am

DIE ANKUNFT - TEIL 2

Bei Cenarius…. was für ein vermasselter Tag !

Die Druidin striegelte Rasha und wich einige Male geschickt dem spielerischen Beißen der Wölfin aus,
die von Fellpflege gar nichts hielt.

„Jetzt halt endlich still…. sonst werfen sie dich hier aus dem Stall raus!
Die sind bestimmt pingelig, was struppige Wölfe betrifft.“


Während sie so vor sich hin striegelte, ließ sie den Tag Revue passieren:

Es fing schon damit an, dass sie am frühen Morgen beim Herumschleichen in den Aussenbezirken des Tempels,
die sichtbar unter den Dämonenangriffen gelitten hatten, einen Beutel mit etlichen Goldmünzen fand.
Schon hatte sie sich über das unverhoffte Nebeneinkommen gefreut, als eine
Schildwache um die Ecke bog und nach einem Blick auf die Druidin und den Beutel ausrief:

„Elune sei Dank. Dieser Beutel gehört unserer Kommandantin und enthält ihren letzten Sold.
Ihr werdet wirklich Eurem Ruf gerecht, Dinge zu finden.“


Mit einem etwas gequälten Lächeln, dass jedoch der anderen Kaldorei nicht auffiel, überreichte sie den Beutel mit den Worten:
„Grüßt Eure Kommandantin und sagt mir Bescheid, wenn wieder etwas verloren geht.“


Und mit dieser „Pleite“ sollte der Tag nicht enden!

Am frühen Abend, nachdem sie einige Stunden lang die Ruinen der Aussenbezirke durchstreift hatte,
legte sie sich im Innernen des Tempels ein wenig in Katzengestalt zur Ruhe. Sie döste vor sich hin,
bis eine bekannte Stimme sie erwachen ließ:

Shelle Silberpfeil

„Ich bleib lieber ruhig hier liegen, bevor sie mich sieht und ihr irgendwas einfällt, was ich tun müsste“,
dachte sie sich und lauschte ungewollt dem Gespräch Shelles mit einer Mondpriesterin.

Bei Elune… so eine, die ständig Mutter Mond dankt und allen hilft.. wahrscheinlich auch denen, die das gar nicht wollen.
Das Seufzen äußerte sich in einem leisen Fauchen der großen Katze, das jedoch niemand zu hören schien.
Ansonsten schien es so, als ob die Truppe wieder Zuwachs bekommen hätte.

Das Gespräch war so uninteressant, dass sie mit dem Kopf auf den Pfoten wieder eindöste bis…..

Shelle ganz nach an ihr vorbeiging, stehenblieb und sie musterte.
Veradis blieb ganz ruhig. Die Mondpriesterin würde sie schon nicht erkennen.

Weit gefehlt !!!!

Ein klares: „Steht auf und wandelt Eure Gestalt!“ belehrte sie eines Besseren.

Und dann folgte eine Belehrung, dass Gestaltwandlung im Tempel nicht angemessen sei und sie das in Zukunft unterlassen solle.

Das Gespräch was dann folgte, war jedoch sehr aufschlussreich. Davon abgesehen, dass die Mondpriesterin ihr klar machte,
unter welchem Befehl sie stand, würde es in einigen Tagen ein Treffen geben, auf dem die Mondpriesterin näher erläutern wollte,
was sie suchte.

Doch ein wenig nachdenklich war sie nach diesem Gespräch, dass durchaus nicht nur unerfreulich gewesen war, zurückgeblieben.
Immerhin hatte sie die Zusicherung, dass sie nicht salutieren musste und auch Diskussionen schienen unter dieser Mondpriesterin
möglich zu sein. Sie erwartete halt nur Zuverlässigkeit !

Auf jeden Fall würde dieses Treffen sehr, sehr interessant werden.
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Nov 22, 2016 1:52 pm

Offizielles neutrales Protokoll des ersten Treffens der Kal`anar


- verfasst von einer Schreiberin des Tempels und eingelagert in die Bibliothek des Tempels -


Unterschiedlicher hätten die Kal`dorei, die sich in den Hallen des ehrwürdigen Tempels trafen, kaum sein können.

Einberufen hatte sie Shelle Silberpfeil  - ihres Zeichen Priesterin der Elune und Veteranin vieler Kämpfe in hunderten,
ja tausenden von Jahren – bekannt für ihre Loyalität gegenüber der Nation der Kal`dorei und auch bekannt für ihr Beharren
auf jahrtausendealten Traditionen und Gepflogenheiten.

Schon die Anwesenheit zweier Shen`dralar – Lamfadas Sternfall und Yaeana Sternenrufer – deutete an,
dass dies kein normales Treffen werden würde.

Und verwunderlich war auch, dass sich neben der Priesterin Ellarine Mondpfeil
und der Schildwache Llashaya Schattenblatt zwei Druidinnen eingefunden hatten, die auf den Namen Veradis Abendhauch und Eldeh Mondschwinge hörten.
Vielen Kaldorei war bekannt, dass Shelle Silberpfeil eher Abstand zu den Druiden hielt.

Als alle sich versammelt hatten, begann die Mondpriesterin zu erklären, warum sie gedachte, eine neue Einheit aufzustellen,
deren Hauptziel weder der Kampf gegen die Legion noch die Suche nach Artefakten war.

Nein.. der geneigte Zuhörer hätte wohl nicht erwartet, was nun kam:


Shelle Silberpfeil erklärte geradeheraus, dass Elunes Licht sie durchdrungen und ihr die Erkenntnis vermittelt habe,
dass es an der Zeit sei, die Nation der Kal`dorei zu einen, damit sie stark werde und den Bedrohungen der Gegenwart und Zukunft standhalten könne.  
Und mit den Anwesenden gedenke sie zu beginnen.

Die Reaktion fiel genauso unterschiedlich aus, wie die Zusammensetzung der Kal`dorei:
von ehrfürchtigem Staunen bis zu ungläubigen Blicken – von leiser Zustimmung bis zu offenem Misstrauen und Protest .

Doch die Mondpriesterin hatte die Situation jederzeit unter Kontrolle und ihr war sichtlich bewusst, dass es zu Spannungen untereinander kommen würde.
Deshalb gab sie auch jedem der Beteiligten Gelegenheit, sich genau zu überlegen, ob er sich dieser Herausforderung stellte wollte oder nicht.

Lediglich die Schildwache wurde in den Dienst offiziell einberufen.

Desweiteren wäre es zur Bewältigung der immensen Aufgabe, die vor ihnen lag, nötig, altes Wissen über die Kal`dorei zu finden,
zu studieren und zu nutzen. Diese Ankündigung allerdings stieß auf weitestgehende Akzeptanz.


Es wurde vereinbart, den Sitz der Einheit vom Tempel nach Lichtsang zu verlegen.

Dies sollte in drei Tagen geschehen und dann würde Shelle Silberpfeil die Entscheidung der einzelnen Beteiligten erwarten.


ENDE DES OFFIZIELLEN PROTOKOLLS


Zuletzt von Veradis Abendhauch am Mi Nov 23, 2016 3:03 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lamfadas

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mi Nov 23, 2016 2:31 pm

Er war erleichtert, als er sich aus der angespannten Runde entfernen konnte.
Nur mit einer knappen Verbeugung verabschiedete er sich wortlos und ging hinaus in den Tempelgarten. Er musste nachdenken...
Zwiesprache mit sich führen, alleine sein.

Die Radikalität der Worte, die diese kühle Priesterin beinahe emotional von sich gab, überraschte ihn
nicht nur - es erschütterte ihn. Nicht in der Grundsätzlichkeit, jedoch in der Offenheit.
Und seine Befürchtungen schienen in den Gesichtern der Kal'dorei Wahrheit zu werden.

Nur allzu oft hatte er schon erlebt, dass Abneigung und Ausgrenzung durch forsche Einforderung
von Zusammenhalt und-arbeit sogar noch intensiver und öffentlicher ausgelebt wurden. Dasselbe
befürchtet er nun auch hier.
Das Brodeln hinter der stoischen Fassade der anderen Kal'dorei konnte er förmlich spüren.
Insbesondere bei den Druiden.

Interessanterweise hatte sich eine weitere Shen'dralar dazugesellt. Jedoch kam sie ihm nicht im Geringsten bekannt vor.
Nun... auch wenn die Shen'dralar in Eldre'thalas auf recht engem Raum zusammenlebten, hatte man nicht zwangsläufig
mit allen Kontakt. In einer ruhigen Minute musste er sich mit ihr einmal austauschen.

Lamfadas folgte einem kleinen, ausgetrampelten Pfad zu einem verlassenen Platz und setzte sich dort unter einen Baum.
Abgesehen von der schier greifbaren Stimmung in jenem Kreis der Kal'dorei ging er Elfe für Elfe im Geiste durch.

Eine unterschiedliche Gruppe... eine interessante Gruppe, die sich hier zusammengefunden hat.
Nun, auch wenn er kein Freund von Unwohlsein ist, möglicherweise ist dies ja doch der Beginn, den er
sich seit seinem Aufbruch aus Feralas gewünscht hat.

Er würde also die Priesterin noch ein Stück weit begleiten.



Zuletzt von Lamfadas am Mi Nov 23, 2016 5:18 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Valyriea
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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mi Nov 23, 2016 4:31 pm

Shelle las wieder und wieder ein und dieselben Dokumente, als würden sie ihren Wortlaut dadurch verändern. Gelegentlich wanderte der Blick der Mondpriesterin dann aber doch durch den Raum, die Statue empor. Lange würde Shelle nicht mehr an diesem Ort verweilen, der ihr entweder ein Zeichen geschickt hatte oder aber ihren Untergang besang.

Diese Zusammenkunft vor zwei Tagen war anders als jedes Treffen, das Shelle Silberpfeil jemals angeführt hatte. Sie stand vor unsicheren Kaldorei und vor sicheren Zweiflern, sie spürte unterdrückten Argwohn. Letzteres war nicht unbedingt neu, wenn man auch schon junge Kaldorei angeführt hatte, aber selten musste Shelle sich mit tiefen inhaltlichen Zweifeln auseinandersetzen. Der Weg war immer klar, ihre Aufgabe als Kommandantin war lediglich jene gewesen, Starrsinn zu brechen und die Truppe zu fokussieren. Kein Problem.
Doch vor zwei Tagen schien es ihr, als stünde eine neugeborene Shelle vor Abbildern ihres alten Selbst. Wie könnte sie das Zweifeln und die unterdrückte Wut nicht verstehen?

Und doch, ihr blieb keine Zeit. Es blieb keine Zeit, alle Zweifeln einzeln und im Detail zu besprechen, hin und herzuwiegen wie eine wertvolle Masse. Da draußen herrschte ein Krieg, der alles zu verschlingen drohte und Shelle erwischte sich mehr als einmal bei dem Gedanken, Elune hätte ihr doch bloß eher ein Zeichen gesandt! Irrational. Das war irrational und völlig irrelevant! Die Aufgabe war im Hier und Jetzt. Und auch mit Zweifeln konnte ein Anfang bestritten werden. Würde es gelingen, diese lose Ansammlung von Kaldorei zu einer Gemeinschaft zu formen, die sich vertraute, so gab es Hoffnung.
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mi Nov 23, 2016 5:47 pm

Die  Ankunft Teil 3


Konnte es noch schlimmer kommen?

Trogen ihre Gefühle, was die Verschiebung des Gleichgewichts betraf?

Die Nacht nach dem ersten Treffen im Tempel von Val`Sharah war schlaflos und voller Zweifel.
Immer wieder sah die Druidin diese Zusammenkunft vor sich, die völlig anders als erwartet verlaufen war.

Da war diese Mondpriesterin, die überzeugen konnte und bei jedem anderen ausgegebenen Ziel hätte sie nicht einen Augenblick gezögert, sich anzuschließen.
Sie glaubte Shelle Silberpfeil, dass Elune sie bei ihrem Entschluss geführt hatte. Sie spürte, dass es Elunes Willen war.

Und dann waren da die Shen`dralar !

Alleine mit ihnen in einem Raum zu stehen, ihre Präsenz zu spüren – es hatte ihr fast den Atem abgeschnürt, so stark waren Hass und Wut in ihr aufgestiegen.

Und nun sollte sie mit ihnen eine Einheit bilden, sie akzeptieren, tolerieren…. immer mit dem Gefühl, erneut verraten zu werden.

Alleine bei diesem Gedanken wurde ihr schlecht!

Das konnte, das durfte niemand von ihr verlangen!

Ein Zuschauer hätte gesehen, dass die Druidin einen Anhänger in den Händen hielt, ja umklammerte, als ob sie sich von dem kleinen goldenen Blatt, das normalerweise unter ihrer Lederrüstung um ihren Hals verborgen war, Halt versprechen würde.

Andererseits gab sie der Mondpriesterin Recht. Wie sollte dieser Kampf gegen einen übermächtig scheinenden Feind gewonnen werden, wenn die Nation der Kaldorei so zersplittert war?

Gegen Morgen, als das erste Licht am Horizont erschien, fand sie ein wenig Ruhe in dem Gedanken, dass Elune auch sie führen würde und vielleicht würde ein Gespräch mit Eldeh sie klarer sehen lassen.
Ihre Gedanken, Befürchtungen und Ängste drehten sich im Kreis. Das war nie gut! Sie brauchte jemanden, der nicht in diesem Kreislauf aus Hass, Wut und Zweifel gefangen war.

Entschieden machte sie sich tags darauf auf zum Tempel, wo sie die Druidin treffen würde.

Eldeh hörte ihr zu, als sie von ihren Bedenken gegenüber den Shen´dralar sprach, ja bestätigte diese sogar.

Und die Druidin erwähnte einige Dinge, die sie nicht bedacht hatte:

Wer kannte sich mit arkaner Macht besser aus, als die Shen`dralar und von arkaner Macht war man auf den verheerten Inseln geradezu umgeben.

Außerdem gab Eldeh zu bedenken, dass man eventuelle Verräter lieber in seiner Nähe haben sollte, als unvorbereitet auf sie zu treffen. So konnte man sie kontrollieren und jederzeit eingreifen, sollte es nötig werden.

Beide Argumente leuchteten Veradis ein ! Besonders das letztere !  Und dies gab den Ausschlag!

Sie würde bei Shelle Silberpfeil bleiben, um ihr zu helfen zu finden, was sie suchte und dabei würde sie verhindern, dass es zum Verrat kam!
Mit offenen Augen und allen Mitteln !!!
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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Do Nov 24, 2016 2:49 pm

Im Tempelgarten sitzt an einem Baum gelehnt der nunmehr bekannte Shen'dralar. Die Arme im
Nacken verschränkt betrachtet er den Himmel... diesen unruhigen, nahezu flimmernden Himmel,
in dem sich der anbrechende Tag langsam aber sicher hineindrängt.
Dann setzt er sich langsam auf, greift zu dem ledergebundenen Buch in seinem Leinenbeutel und blättert die
letzten Einträge durch. Dann nimmt er die Schreibfeder und beginnt diesmal eigenhändig seine Gedanken festzuhalten.

Aus den Aufzeichnungen des Lamfadas Sternfall

Die Existenz an sich ist eigenartig. UNSERE Existenz ist eigenartig. Wir verfügen über die Möglichkeit eines schier
endlosen Lebens und beschäftigen uns mit Dingen, die in die Zeitalter zurückreichen, als wären sie erst vor Kurzem
geschehen. Wären wir Menschen, würde die Geschichte der Hochgeborenen und der Einfall der Legion in jenem Zeitalter
im allerhöchsten Fall nur noch ein rudimentärer Hauch von Legende sein, die jeder vernunftbegabte Geist mit einer
abwertenden Handbewegung belächeln würde.

Jedoch für uns erscheint dies aktueller denn je...  

Die Gnade unseres langen Lebens steht einer Aussöhnung sicherlich auch im Wege. Die Wut und Aggression,
die ich in jenem Kreis der Kal'dorei spürte, rührt teilweise sicher aus persönlicher Erfahrung.
Wie, mit welchen Argumenten, Worten oder Taten kann man einem Jahrtausende schwelenden Hass begegnen?

Ich denke, es wird nicht möglich sein. Wenn nicht Elune persönlich beginnt unser Volk zusammen zu führen und wieder zu
Einen, wird es nicht funktionieren.
Hat die Göttin möglicherweise mit dem Traum der Priesterin begonnen?

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Fr Nov 25, 2016 10:11 pm

Die Ankunft - Teil 4


Die Sonne stand hoch über Lichtsang und ein einzelner Händler mit seinem Karren hielt auf dem Weg zu dem kleinen Stützpunkt,
um sich mit einem großen Tuch den Schweiß von der Stirn zu wischen.Dabei fiel sein Blick auf eine Kaldorei, die irgendwelche Gerätschaften
in einen kleinen Schuppen am Ortsrand schleppte und ihn nicht bemerkte.

„He, Schwester.. braucht Ihr etwas ? Ich habe ausgezeichneten Moosbeerensaft dabei oder vielleicht ein paar Gewürze, um das Essen schmackhafter zu machen ?“


Veradis sah hinter sich, als sie die Stimme hörte und stellte die Schaufel in eine Ecke und wischte sich die Hände an der Hose ab.
„Elune adore, Bruder… wo kommt Ihr her ?“

Der Kaldorei, denn um einen solchen handelte es sich, nickte ihr freundlich zu und zeigte auf den Pfad hinter sich.
„Ich war bis heute Morgen im Tempel und habe Bestellungen der Schildwachen aufgenommen. Einiges kann man zwar hier jagen und fischen,
aber manche Dinge sind einfach nicht zu bekommen.“


Veradis griff nach einem Wasserschlauch, der vor dem Schuppen lag und reichte ihn dem Händler.
„Ihr seht durstig aus.“
Dankbar nahm dieser den Schlauch entgegen und trank ihn bis zur Neige leer.
„Habt Dank.. es war ein anstrengender Marsch und bis kurz vor Lichtsang haben mich einige Schildwachen begleitet, die aber weiterreiten mussten.
Und Ihr wisst sicher, welches Tempo die anschlagen.“

Lachend reichte der Händler den leeren Wasserschlauch zurück.

„Bei Euch kann man also Bestellungen aufgeben. Das ist gut zu hören. Wir bräuchten einiges, was man hier nicht bekommt.“
Veradis dachte daran, dass sie am gestrigen Abend versprochen hatte, sich um den Nachschub an Proviant zu kümmern.
Der freundliche Händler nickte verstehend: „Nun einiges könnte ich Euch schon in ein paar Tagen bringen, denn das Schiff aus Darnassus
kommt bald an und ich habe Vorräte bestellt, die nicht alle abgerufen wurden."


Veradis überlegte kurz und gab dann den Auftrag, einen Sack Teeblätter, einige Scheffel Zucker, ein Fässchen Salz, drei Säcke Mehl und
einige Ballen Leinenstoffe für Verbände mitzubringen.

„Wenn Ihr etwas ungewöhnliches braucht, müsst Ihr mir aber einige Wochen vorher Bescheid geben und Gewürze sind auch knapp.. Das wird etwas dauern.“


Die Druidin nickte: „Es gibt genug Kräuter hier in den Wäldern. Ich denke, das wird reichen, um das Essen schmackhaft zu machen. Aber ich werde es mir merken.“

Nachdem sie dem Händler die ausgehandelten Münzen gegeben hatte, nahm dieser seinen Karren wieder auf und
marschierte mit den Worten: „Passt auf Euch auf“, weiter.

Veradis sah ihm zufrieden hinterher. Besonders wichtig war das Salzfass, da sonst das Fleisch und der Fisch zu schnell verdarben.  
Die Druidin musste grinsen. Die Shen`dralar würden begeistert von dem Essen in einem Feldlager sein.

Tja.. dieser Lamfadas Sternfall war gar nicht so übel, schoss es ihr dabei durch den Kopf.

Auch wenn er glaubte, dass Kaldorei an Bäumen hängend schliefen. Das Grinsen auf dem Gesicht der Druidin wurde noch breiter. Verrückter Kerl!

Sie setzte sich einen Augenblick an den Rand des Mondbrunnens und sah hinein, während ihre Gedanken zum letzten Abend zurückflogen.
Spät waren sie angekommen, Shelle hatte ihnen ihr Quartier gezeigt und dann waren alle relativ schnell verschwunden,
um sich auszuruhen. Auch sie selbst ging hinaus, um die klare abendliche Luft zu genießen und es sich danach im Schutz eines Baumes bequem zu machen.

Und dann sah sie ihn, der sich zum Mondbrunnen begab. Sicherheitshalber – falls er doch die Absicht hatte, den Brunnen zu vergiften –
war sie ihm im Schatten gefolgt.  Aber nichts…. Er saß einfach nur da !

Eine gute Gelegenheit, ihre druidischen Sinne dazu einzusetzen, den Shen`dralar näher zu begutachten.

Und dann die Überraschung…. trotz seiner verderbten Magie befand er sich im Gleichgewicht.
Jedenfalls mehr, als die meisten Kaldorei, die sie kannte.
Veradis wollte sich gerade irritiert zurückziehen, als er sie bemerkte und ansprach.

Das Gespräch, was nun folgte, war…. verwirrend. Während dieses Gesprächs spürte sie viele widersprüchliche Gefühle
in dem Shen`dralar, aber auch eine Art Hoffnung, die sie nicht recht einordnen konnte.

Aber was noch erstaunlicher war…. sie konnte seine Gegenwart ertragen, ihm sogar zuhören.

Veradis stand auf, schüttelte über sich selbst den Kopf  und verscheuchte diese Gedanken schnell wieder.
Wahrscheinlich hatte er nur versucht, ihr etwas vorzumachen.

Im Grunde war sie sich sicher, dass der Tag kommen würde, an dem die Shen`dralar sie verrieten und zur Legion überliefen.

Das konnte gar nicht anders sein !
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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Mo Nov 28, 2016 2:07 pm

Er schwieg.
Den ganzen belanglosen Ritt vom Tempel nach Lichtsang.
Er hielt sich im Hintergrund, bildete also die Nachhut und betrachtete die Gruppe Nachtelfen
nachdenklich.

Kurz bevor die Gruppe den kleinen Pfad nach Lichtsang einbog schüttelte er genervt den Kopf.
Immer dieses Gedankenkarussell, ständig sich wiederholende Gedanken auf die es keine Antwort, Fragen, auf die es
ohnehin keine Lösung gibt.
Letztlich liegt es nicht an ihm, sondern an den Kal'dorei mit denen er sich hier auf einen gemeinsamen Weg
gemacht hat, ob es zu einer, wie auch immer gearteten, Zusammenarbeit kam.

Was für ein erbärmliches Nest.
"Lichtsang" passt so gar nicht zu diesem... Dorf, bestehend aus einem matschigen Platz, einem Mondbrunnen
und einigen kleinen Wohneinheiten.
Das "Wohnhaus" der Kal'Anar war nicht mehr als ein zurechtgeschnitzter Baum. Glücklicherweise
zogen es die Druidinnen vor im Freien zu bleiben, so hatte er einen "Raum" für sich.
Spartanisch. Ein Stuhl, ein kleiner Tisch, ein Bücherregal (das er sich noch einmal genauer betrachten musste) und
eine Pritsche. In der Mitte gerade genug Platz, um sich einmal um sich selber zu drehen.
Er warf seine Tasche auf das Bett und ging nach draußen, vorbei an dieser mürrischen Druidin in Katzenform
- er konnte nicht umhin sie mit mit einem abschätzenden Blick zu betrachten und zu bemerken, dass sie
einen Fleck im Pelz hatte.

Dann ging er zu dem kleinen Mondbrunnen und setzte sich an den Rand.
Die Mondbrunnen beruhigen seinen Geist und gewähren ihm einen gewissen inneren Frieden.

Er wusste nicht, wie lange sie schon hinter ihm stand und ihn analysierte.
Möglicherweise hätte er sie schon früher bemerkt, wenn er nicht so gedankenverloren gewesen wäre.
So blieb ihm nicht weiter übrig als zu versuchen sie mit einer Bemerkung zu vergrämen, jedoch... sie blieb.

Das anfängliche Wort-Geplänkel hätte schnell mit einem Streit beendet werden können, er war sich dessen bewusst,
und doch... hielt er sich zurück, dieser Elf, wich den verbalen Attacken der Druidin weitestgehend aus und blieb - man
könnte fast sagen - "freundlich". So schlug er ihr das alte Diplomatenspiel 1 Frage - 1 Antwort vor worauf sie sich zu seiner
Überraschung sogar einließ.

Es heißt, man kann einem Fremden gegenüber offener sein, als einem Freund und so wagte er ihr einige Dinge zu erzählen,
die er bisher nur wenigen anvertraut hat. Aus Kalkül oder aus Unachtsamkeit?
Sicherlich in diesem vertrauten Moment gedankenlos - im Nachgang würde er wohl sagen: mit Kalkül.

Sie wird es möglicherweise weitertragen, in der Gruppe wird es vielleicht die Runde machen - er wusste das.
Der Elf lächelte und strich sich über den Spitzbart. Er hatte die Saat gelegt und ist nun auf die Frucht gespannt,
die sich hieraus möglicherweise entwickelt.
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Di Dez 06, 2016 3:16 pm

DER AUFTRAG

„Bei Elune und Cenarius, warum konnte ich meine Klappe nicht halten?

Leise fluchend versuchte die Druidin eine Steintafel unter einer umgestürzten Säule zu bergen.
Doch so sehr sie auch zerrte und zog - das verdammte Ding wollte sich nicht bewegen.
Immer wieder schielte sie zu dem Gnomensprengstoff in einer der mitgebrachten Taschen.
Aber nein.. das ging nicht. Die Gefahr, dass die Tafel zerstört wurde, war viel zu hoch.

Hinzu kam, dass der sichtbare Teil der Tafel in den vielen Jahren, die er wohl hier schon lag,
Moos angesetzt hatte und ihre Hände immer wieder abrutschten.
Auch die Säule, die halb schief über ihr aufragte, trug nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei.

Veradis atmete erst einmal tief durch und schnappte sich den Wasserschlauch,
der neben dem Spaten und der Hacke lag.

Während sie neue Kräfte sammelte, dachte sie an die letzten Tage.  Da war erst einmal die Begegnung mit dieser
uralten Priesterin. Arahwen Feenstaub hieß sie und ihre Worte klangen immer noch nach:
„Richtet sich dein Haß gegen die arkane Magie oder die Hochgeborenen?“
Erst hatte sie geantwortet, dass das doch wohl das Gleiche sei und im selben Augenblick war ihr klar geworden,
dass das natürlich nicht stimmte.
Und sie hatte in den Augen der Priesterin sofort erkannt, dass auch diese das zu wissen schien.

Und dann die Lagebesprechung gestern Abend: Als ihr raus rutschte, dass man wohl einen Shen`dralar bräuchte,
um die Ruinen zu untersuchen, da hatte sie das ernst gemeint.
Allerdings kam das bei Schwester Ellarine so an wie üblich – als spöttische Bemerkung.

Trotzig stieß die Druidin mit einem Fuß heftig gegen die vor ihr liegende Säule, die daraufhin kurz erzitterte.
Dann war das eben so ! Sollte sie doch denken, was sie wollte!
Ach Mist ! Am besten hielt sie die Klappe. Hätte sie das getan, müsste sie sich nicht mit dieser blöden alten Tafel abmühen.
Warum hatte sie denn erzählt, dass sie das Ding gesehen hatte ? Naja.. vielleicht wars ja wirklich wichtig!

Seufzend betrachtete die Druidin den Haufen Steine vor sich und die Ecke der Tafel, die daraus hervorragte.
Veradis nahm ein Messer vom Gürtel und kratzte vorsichtig das Moos ab. Ja, sie hatte Recht gehabt.
Eine Art Plan mit Linien, die untereinander verbunden waren. Allerdings was die Linien bedeuteten, konnte sie nur erraten.
Hmm.. dafür gab ja schließlich die Bücherwürmer! Veradis musste grinsen!

Na gut ! Die Druidin erhob sich, legte den Wasserschlauch beiseite und dabei fiel ihr Blick auf ein dickes Seil. Hmm.. das könnte klappen !

Gedacht – getan. Sie legte sich ein Ende des Seils um den Bauch und verknotete es, so fest sie konnte.
Dann legte sie das andere Ende um die herausragende Steinplatte und verknotete es ebenfalls.
Mit einem tiefen Brummen wandelte sie ihre Gestalt in die eines großen Bären.
Noch einmal tief einatmen, dann kräftig ziehen.
Alle Muskeln des riesigen Tieres spannten sich und langsam schien sich die Platte zu bewegen.

Allerdings auch die Säule, die halb auf ihr auflag.

Mit einem Schlag kam der ganze Steinhaufen samt Säule und Tafel ins Rutschen.
Die Bärin sprang im letzten Augenblick nach vorne, das Seil samt Platte mit sich ziehend.

Als sich der Staub, den der Erdrutsch aufgewirbelt hatte, auflöste, hätte ein unbeteiligter Zuschauer wohl laut gelacht.
Denn wann sieht man schon einmal einen Bären, dessen Kopf im Schutt steckte und
dessen Hinterpfoten irgendwie hilflos herum ruderten?

Mühsam strampelte sich die Druidin frei, um sich dann zu wandeln. Beim Cenarius – das war knapp!!!

Veradis erster Blick galt der Steinplatte, die nun frei vor ihr lag.. ein wenig ramponiert, aber in einem Stück.
Sie löste das Seil und stemmte dann  zufrieden die Platte in eine aufrechte Position. Sie war ziemlich schwer
und ging vom Boden ungefähr bis zu ihrer Hüfte.
Jetzt sah man, dass es wirklich ein Plan zu sein schien, der in den Stein gemeisselt war.
Am oberen Rand, dem der unter der Säule gelegen hatte, waren Schriftzeichen zu erkennen.
Allerdings stark verwittert und das einzige, was Veradis entziffern konnte war:

„….Fala…ar“.

Vielleicht ein Name oder ein Ort – aber wie gesagt.. damit sollten sich die Bücherwürmer herumschlagen.

Nachdem die Druidin das herumliegende Werkzeug eingesammelt und einige Schrammen,
die sie vom Erdrutsch davongetragen hatte, notdürftig versorgt hatte , rief sie nach Rasha, die auch wenig später angetrabt kam.

Sorgfältig in eine Decke gepackt, band Veradis die Platte auf dem Sattel fest und machte sich auf den Weg zurück nach Lichtsang.

Auftrag erledigt !
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Veradis Abendhauch

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BeitragThema: Re: Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin   Do Dez 22, 2016 8:06 pm

In der Dämmerung von Darnassus

Sanft umspielte der Wind die alten Bäume von Darnassus.  Im schwindenden Licht des vergehenden Tages eilte eine Priesterin
– unschwer an ihrem weißen Gewand zu erkennen – durch die stillen Wege hinüber ins Handwerkerviertel.
Bei näherem Betrachten sah man einen grauen Schimmer auf der sonst makellosen Robe, der von den alten Schriftrollen
zu stammen schien, die die Priesterin unter dem Arm trug.

Ab und an grüßte respektvoll die ein oder andere Schildwache, sich wundernd über den eiligen Schritt und das knappe Nicken.
Dies war sonst nicht Arvea Sternenpfads Art – eher neigte sie dazu, auf einen kleinen Plausch bei den Schildwachen stehen zu bleiben oder
- bei den Novizinnen des Tempels  gefürchtet – zu bemerken, dass die Abendstunden zum Lernen der Lektionen des Tempels sinnvoller
verbracht wären, als mit Müßiggang.

Doch an diesem Abend war es anders. Zielstrebig eilte die Priesterin hin zu der kleinen Schreibstube, in der normalerweise Briefe, Nachrichten und Befehle
ausgefertigt wurden, um in alle Ecken Kalimdors und der bekannten Welt verschickt zu werden.
Als Arvea die Stube betrat und sie wie erwartet leer vorfand, schloss sie die Tür hinter sich sorgfältig ab
– ganz so, als ob es wichtig sei, alleine und ungestört sich den Rollen zu widmen.

Bevor sie die Rollen auf dem großen Tisch, der leer vor ihr stand, öffnete, ging die Priesterin zum Fenster,
um der aufgehenden Mondsichel zuzusehen und die Ereignisse der letzten Tage vor ihrem inneren Auge Revue passieren zu lassen.

Zuerst war da der Brief aus einem weit entfernten Ort namens Lichtsang, der Beunruhigendes enthielt.
Eine Schwester namens Arahwen Feenstaub schrieb, dass Schwester Silberpfeil und ein Arkanist verschwunden seien
und die Truppe, die die Schwester rekrutiert hatte, eine neue Leitung brauche. Es wurde gebeten, eine Priesterin zu entsenden.
Helle Aufregung herrschte daraufhin im Rat der Schwesternschaft, der nur noch aus wenigen bestand, da viele sich zum Kampf
gegen die Legion gemeldet hatten. Als Shelle Silberpfeil kurz nach der beginnenden Invasion vorgesprochen und ihre Gründe für
eine Expedition vorgebracht hatte, war man überein gekommen, dass diese Gründe mehr als überzeugend waren und man hatte
ihr alle Unterstützung zugesagt, die sie brauchen würde.

Und nun das !!!!

Arvea sah hinab auf die friedliche Stille in Darnassus und mochte sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn der Feind vor
ihren Toren stehen würde. Nein, das konnte, das durfte nicht geschehen!
Und so hatte sie sich bereit erklärt, in das ferne Lichtsang zu reisen und dort Shelle Silberpfeil und diesen Lamfadas Sternfall zu suchen
und die Expedition hoffentlich zu einem befriedigenden Ergebnis zu führen.


Und heute nachmittag traf dann auch Schwester Arahwen Feenstaub persönlich ein, um zu hören, wie die Schwesternschaft entschieden hatte.

Es war ein ruhiges Gespräch, geprägt von gegenseitigem Respekt und der Zusicherung der Schwester, dass man Arvea unterstützen würde.
Eindringlich hatte Arvea versucht, der Schwester einen Eindruck von der Wichtigkeit der Expedition zu geben, ohne zu viel über die Hintergründe
zu verraten. Dies würde sich im Laufe der Zeit ergeben.

Leider wussten auch sie hier in Darnassus nur in groben Zügen, worum es ging. Schwester Silberpfeil war nicht mehr dazu gekommen,
die Einzelheiten darzulegen. Sie wollte sich erst einen Überblick über die Verhältnisse in Suramar verschaffen und dann ins Detail gehen.

Aber das hatte das Schicksal oder wer auch immer zu verhindern gewusst.

Seufzend wandte sich die Kaldorei vom Fenster ab und rollte langsam eine nach der anderen der alten Schriftrollen auf,
um sie genau zu studieren.
Schwester Feenstaub hatte bei dem Gespräch eine Bemerkung gemacht, die Arvea stutzen ließ.  Anscheinend hatte sich Schwester Silberpfeil
mit den  Ruinen des ehemaligen Tempels von Fal`adora beschäftigt und genau dieser Name kam Arvea bekannt vor. Sie selbst war lange nach
der Zerstörung der Tempelanlage geboren, aber Schwester Feenstaub hatte erwähnt, dass sie dort einen Teil ihrer Ausbildung absolviert habe.

Arvea musste husten: „Bei Elune.. diese Schriftrollen sind sicher seit hunderten von Jahren nicht mehr bewegt worden.“

Dabei fiel ihr Blick auf die ansonsten makelos weiße Robe. Herrjeh, gut dass niemand sie sah, wenn sie zurück zum Tempel gehen würde.
Das würde die Wäscherinnen tagelang beschäftigen, wenn sie diese Staubflecken überhaupt raus bekamen. Dabei war sie maßgeschneidert
und der Stoff hatte etliches gekostet. Sie seufzte.

Aber nun wieder zum mühsamen Lesen der alten Texte.  Zwei Stunden später war es endlich so weit.

Sie hatte den kleinen Bericht, dem sie früher wenig Bedeutung zugemessen hatte, gefunden. Ihr Zeigefinger folgte den mühsam zu
entziffernden Zeilen, die teilweise verblasst waren und ihre Augen weiteten sich kurz, als sie das fand, was sie gesucht hatte.
Es war der Reisebericht eines Händlers, der auf verschlungenen Wegen in die staubigen Kellergewölbe des Tempels gelangt war.

Langsam las die Priesterin und nickte an der ein oder anderen Stelle.

Sehr nachdenklich lehnte sich die Priesterin zurück. Vielleicht war dies der lose Faden, den sie suchten – vielleicht aber auch nicht.

Auf jeden Fall musste sie am nächsten Tag ihre Sachen packen und die lange Reise zu den Verheerten Inseln antreten.

Die Göttin würde ihr beistehen und ihre Hände schützend über sie halten !
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Sternenlicht Chroniken - Kapitel 1: Der Ruf der Göttin
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